Menno ter Braak
aan
Samuel Lewin

Den Haag, 8 oktober 1935

Haag, 8 Okt. '35

 

Lieber Herr Lewin

Herzlichen Dank für Ihre Karte. Ihren Brief über ‘De Pantserkrant’ habe ich in besten Ordnung erhalten, und ich habe Ihr Urteil sehr geschätzt; dass Pankow keine Lösung gibt, keine Richtung weiss... ja, das gehört zu meiner eigenen Zwangslage. Ich kann augenblicklich nur sagen was mir vorkommt nicht richtig zu sein, und das genügt nicht. Sie haben völlig recht. Die Sache Italien-Abyssiniën lässt mich nicht los, ich beschäftige mich andauernd mit der Problematik des Faschismus, der Macht, und ich sehe keinen Ausweg. Deshalb komme ich auch nicht dazu die Kapitel meines ‘Politicus’ umzuarbeiten. Augenblicklich bin ich ohne schöpferische Energie und beschränke mich hauptsächlich auf meine journalistische Arbeit. Da kann man wenigstens etwas tun, und man braucht keine prinzipiellen Lösungen um in der Zeitung soviel wie möglich den Faschismus zu bekämpfen. Allerdings wird ‘De Pantserkrant’, nachdem alle ‘Fachleute’ ihn abgelehnt haben, von Studenten gespielt, am 31 Okt. in Rotterdam.

Aber nun Ihre Sachen. Die Uebersetzung Ihrer Legende ist bis auf eine Kleinigkeit fertig und meine Frau hätte diese Kleinigkeit fast gar nicht mehr beobachtet wenn sie sich in den letzten Monaten, und leider auch noch seit unsere Ferienreise nach Italien, fortwährend müde und kraftlos fühlte. Sie kann viel lesen und schreiben gar nicht ertragen, und ich muss Ihnen sagen, dass diese andauernde Müdigkeit mir gar nicht gefällt und sogar beunruhigt. Ich sage ihr natürlich nichts davon (und bitte Sie auch dringlichst nicht darüber zu schreiben!); trotz dem bin ich davon überzeugt dass irgend ein Grund für einen solchen Zustand vorhanden sein muss. Sie hat auch die feste Absicht die Uebersetzung so schnell wie möglich für den Druck fertig zu machen, aber muss das immer wieder verschieben. Hoffentlich wird sich die Gesundheit bessern, und dann kann die Legende erscheinen. Meine Frau will bestimmt das ganze fertig haben, so dass es im Frühling in den Läden sein kann.

Einen Vorschuss kann ich in den gegebenen Umständen unmöglich für Sie bekommen. Der Verleger wird zweifellos die Bedingungen für Sie so günstig wie möglich machen, aber Geld im voraus kann man hier augenblicklich von einem Verlag überhaupt nicht bekommen, wenn man keine Schmöker schreibt. Ich werde ihn aber darum bitten Ihnen einen Vertrag zu schicken (nach Wien), damit Sie den Text benutzen können für Ihr Visum.

Am 15 Nov. sind Sie uns herzlich willkommen.

mit den herzl. Grüssen, auch von meiner Frau

und für die Ihrige

[x] Ihr Menno ter Braak

 

Fotokopie: Den Haag, Letterkundig Museum

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