Konrad Merz
aan
Menno ter Braak

Amsterdam, 6 augustus 1935

Amsterdam O, Pythagorasstraat 21

6.8.35

 

Lieber Dr. Ter Braak,

ich nehme an, daß Sie wieder wohlbehalten in der residenz Ihres Vaterlandes angelangt sind und hoffe, das vegetarische Essen hier habe weiter keine unangenehmen Folgen auf Ihr irdisches Wohlbefinden gehabt.

Ich sende Ihnen ein Prospekt des Ziekenfondses hier. Bei der gewöhnlichen Gruppe A ist man nur gegen Ziekten versichert, bei Unfällen bekommt man eine entsprechende Entschädigung wenn man auch in Gruppe B ist.

Das würde mich zusammen also 40-50 cent per week kosten.

Vielleicht wollen Sie mir schreiben, ob Sie damit einverstanden wären, wenn ich also in diesen Ziekenfonds ginge (Gruppe A und B) und mir dann bitte den Brief für die Fremdenpolizei senden.

Herr De Roos hat mir noch einmal nach dem Szenario geschrieben, ich habe nun so ein Ding zusammengebacken; es ist freilich nichts wert. Trotzdem werde ich es ihm einsenden. Wenn man dabei sitzt, bekommt beinahe Lust, etwas Anspruchsvolleres daraus zu machen. Aber dann merkt man, daß man zwar dämlich, aber doch nicht dämlich genug ist, um das Wohlgefallen des Herrn Hirsch finden zu können.

Nur ein Ministerpräsident gibt mehr als er hat …

Wollen Sie mir vor Ihrer Reise in das Land der Napoleonini vielleicht noch das Manuskript Ein Mensch fällt aus Deutschland einsenden? Ich hoffe Ihnen dann bei Ihrer Rückkehr das fertige Ganze vorlegen zu können.

Nun wünsche ich also Ihrer Gattin und Ihnen eine schöne Erholung und lassen Sie sich nicht von den Fascismusbazillen stechen.

Herzlich

Ihr

Kurt Lehmann,

 

Haben Sie das N.T.B. schon gefragt, ob sie die Betrüger gefunden haben?

 

Origineel: Den Haag, Literatuurmuseum

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